Entscheidung

Reicht ein Google-Unternehmensprofil, oder brauche ich eine Website?

29. September 2026 · 5 Min. Lesezeit · Ian Becker

Reicht ein Google-Unternehmensprofil, oder brauchst du eine eigene Website? Für viele Handwerksbetriebe und Praxen ist das eine echte Frage, denn das Profil zeigt Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer, Fotos und Bewertungen, steht in der Kartenliste weit oben und kostet nichts. Die Antwort lautet nicht automatisch nein. Hier steht, was das Profil trägt, wo es aufhört und wie du das in zehn Minuten an deinem eigenen Eintrag prüfst.

Was das Profil allein schon leistet

Das Unternehmensprofil ist ein Eintrag in Google Maps und in der lokalen Suche. Für einen Betrieb mit fester Adresse macht es die wichtigsten Dinge sofort möglich: anrufen, Route starten, Öffnungszeiten sehen, Bewertungen lesen, Fotos ansehen.

Für ein Nagelstudio, einen Imbiss oder einen Kiosk deckt das einen großen Teil der Entscheidung ab. Wer mittags einen Mittagstisch in der Nähe sucht, will wissen, ob offen ist und wie weit es zu Fuß ist. Dafür braucht niemand eine Unterseite. Und wenn dein Eintrag heute dünn ist, ist er der erste Schritt und nicht der zweite.

Drei Stellen, an denen das Profil aufhört

Erstens lässt sich im Profil nichts erklären. Ein Elektrobetrieb, der Wallboxen montiert, kann dort nicht zeigen, was ein Kunde vorher klären muss, wie lange die Montage dauert und was den Preis bestimmt. Genau diese Punkte entscheiden aber, ob jemand anruft oder weitersucht. Welche Inhalte eine eigene Seite dafür braucht, steht in 5 Dinge, die jede Unternehmenswebsite haben sollte.

Zweitens bestimmst du nicht, wie es aussieht. Reihenfolge, hervorgehobene Bewertungen, Fotos von Besuchern: Darüber entscheidet Google.

Drittens wirst du vor allem lokal und nach Kategorie gefunden. Die Kartenliste erscheint bei Suchen wie Dachdecker plus Ortsname. Sucht jemand nach einer konkreten Frage zu deiner Leistung, erscheinen Seiten mit Antworten, und dort hast du ohne eigene Seiten keinen Platz.

Der Zehn-Minuten-Test an deinem eigenen Profil

Nimm dein Handy, öffne ein privates Browserfenster und geh diese fünf Schritte durch.

  1. 01Such nach deiner Hauptleistung plus Ort. Steht dein Betrieb in der Kartenliste? Wenn nein, hast du ein Profilproblem und keine Websitefrage.
  2. 02Tipp dein Profil an und such die Antwort darauf, was das ungefähr kostet und wie es abläuft. Findest du sie nicht in dreißig Sekunden, findet ein Kunde sie auch nicht.
  3. 03Such ohne Ort, dafür mit Detail: eine Frage, die du im Erstgespräch oft hörst. Erscheint irgendwo etwas von dir?
  4. 04Zähl die Wege zur Anfrage um 21 Uhr. Der Anruf-Button hilft abends nicht, und über die Nachrichtenfunktion schreibt längst nicht jeder.
  5. 05Lies deine letzten drei Bewertungen. Steht darin etwas, das du erklären willst? Im Profil hast du dafür nur die kurze Antwort darunter.

Ein Punkt, der hakt, heißt meistens: Profil pflegen. Drei oder mehr heißen: Dir fehlt eine eigene Seite.

Kostenlos heißt nicht sicher

Google hatte jahrelang einen eigenen Baukasten im Unternehmensprofil, mit Adressen auf business.site. Im März 2024 wurde er abgeschaltet, ab dem 10. Juni 2024 liefen die alten Adressen ins Leere, wie GoogleWatchBlog berichtete. Betriebe, die diese Adresse auf Visitenkarten und Fahrzeugen stehen hatten, standen plötzlich ohne sie da. Die Lehre ist nicht, dass Google unzuverlässig wäre, sondern: Deine Adresse im Netz sollte dir gehören. Eine eigene Domain nimmst du mit, egal wer die Seite baut oder hostet.

Wann ein Google-Unternehmensprofil statt Website wirklich reicht

Es gibt Betriebe, für die eine Website gerade keine Priorität hat.

  • Du bist auf Monate ausgelastet und bekommst neue Kunden ausschließlich über Empfehlungen.
  • Deine Kunden entscheiden in Sekunden und an der Adresse: offen, in der Nähe, gute Bewertungen, fertig.
  • Du übergibst den Betrieb in absehbarer Zeit oder hörst auf.
  • Dein Profil ist selbst noch halbfertig. Dann bringt ein gepflegter Eintrag mehr als eine neue Seite daneben.

Der letzte Punkt gilt häufiger, als es einer Webagentur lieb sein kann. Ein Profil mit zwei Fotos und ohne hinterlegte Leistungen kostet dich mehr Anfragen als eine fehlende Website.

Ob ein Google-Unternehmensprofil statt Website reicht, hängt damit weniger am Budget als an einer Frage: Muss jemand etwas über deine Arbeit verstehen, bevor er anruft? Wenn nein, pflege deinen Eintrag und spar dir das Geld. Wenn ja, braucht deine Arbeit eine Seite, auf der sie erklärt wird, und die kostet bei webwev €50 pro Monat zzgl. MwSt. bei 12 Monaten Laufzeit oder €70 pro Monat zzgl. MwSt. monatlich kündbar. Was drinsteckt, steht auf der Seite zum Website-Abo.

Häufige Fragen

Kostet ein Google-Unternehmensprofil etwas?
Nein. Anlegen und Pflegen sind kostenlos. Google prüft vor der Freischaltung, ob es den Betrieb an der angegebenen Adresse wirklich gibt. Kosten entstehen erst, wenn du zusätzlich Anzeigen schaltest.
Kann ich ein Unternehmensprofil ohne Website anlegen?
Ja, das Feld für die Website ist optional. Ohne Link führen aus deinem Profil nur der Anruf, die Route und die Nachrichtenfunktion weiter.
Brauche ich eine Website, um in der Kartenliste zu erscheinen?
Nein. Dort zählen vor allem ein vollständiges Profil, passende Kategorien, Bewertungen und die Entfernung zum Suchenden. Eine eigene Seite wirkt eher bei Suchanfragen, zu denen Google gar keine Karte anzeigt.
Reicht eine Facebook- oder Instagram-Seite als Website-Link im Profil?
Besser als kein Link. Du kannst dort aber keine eigenen Unterseiten für einzelne Leistungen anlegen, und die Adresse gehört der Plattform. Wenn du nur einen Ort im Netz aufbaust, sollte es einer sein, den du behältst.
Was bringt mir eine eigene Seite, wenn Kunden ohnehin nur anrufen?
Der Anruf kommt meistens nach dem Lesen. Auf einer eigenen Seite beantwortest du vorab, was sonst am Telefon Zeit kostet: Ablauf, Einsatzgebiet, Zuständigkeit und was der Kunde vorbereiten sollte.

Ian Becker

Inhaber von webwev. Baut und betreut Websites für lokale Betriebe und prüft jeden Artikel, bevor er erscheint.